Offene Worte vom Ex-Profi :"Brutaler Typ": Andre Schürrle packt über Jose Mourinho aus

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Jose Mourinho und Andre Schürrle heuerten beide im Sommer 2013 beim FC Chelsea an. In einem YouTube-Interview mit Joko Winterscheidt gewährt Schürrle tiefe Einblicke in seine Zeit im blauen Bezirk Londons – vor allem in sein Seelenleben, das unter Mourinho offenbar gelitten hatte. Den früheren Chelsea-Trainer bezeichnet er als "brutalen Typ".

"Ich habe mir immer gedacht: Was macht der überhaupt? Wie behandelt er mich? Was macht der mit den Menschen?", fragt Schürrle und macht sich dabei Gedanken, wie Mourinhos Umgangston vielleicht auch auf große Teile seiner damaligen Mitspieler hat Einfluss genommen.

Und weiter: "Im Nachhinein merke ich, was er wollte und mit welchen Mitteln er gearbeitet hat. Und ich konnte damals gar nicht so recht klarkommen mit den Dingen, die er von mir wollte, mit dieser Härte und mit diesem psychischen Druck."

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Als 22-, 23-Jähriger empfand Schürrle die Art der Kommunikation als hohe Belastung. Er sei nach einem Gespräch oft nach Hause gefahren und habe gedacht, dass er nicht mehr könne, weil Mourinho einen extremen Druck aufgebaut hatte. Schürrle hatte zwar das Gefühl, dass Mourinho ein gewisses Faible für ihn hatte. Aber: "Trotzdem hat er mir ein paar Dinge in den Kopf gesetzt, die waren schon schwer zu verarbeiten."

Hintergrund


"Mourinho sagte zu mir, wenn du heute keine zwei Tore schießt, verleihe ich dich"

Die erste Begegnung hatten die beiden, da befand sich Schürrle lediglich in Verhandlungen mit Chelsea, der Transfer war somit noch gar nicht fixiert. Am 5. Juni 2013 hatte Mourinho beim Abschiedsspiel von Michael Ballack das Team gecoacht, in dem sich auch Schürrle befand. "Er sagte zu mir, wenn du heute keine zwei Tore schießt, verleihe ich dich nach Southampton", sagt Schürrle, der damals nicht gewusst hatte, ob Mourinho Spaß macht oder es ernst meint.

Chelsea hatte Schürrle schließlich für 22 Millionen Euro von Bayer Leverkusen losgeeist. In seiner Debütsaison hatte Mourinho noch regelmäßig auf den Offensivallrounder gesetzt. Die Einsatzzeiten flachten in der darauffolgenden Serie allerdings ab. Schürrle war besonders von Mourinhos extremen Entscheidungen betroffen.

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"Es war oft so, dass ich von Anfang an gespielt habe und er hat mich in der Halbzeit ausgewechselt. Und im nächsten Spiel war ich gar nicht im Kader und war auf der Tribüne", berichtet Schürrle, der es damals nicht verstehen konnte und die Entscheidungen auch an dessen Selbstwertgefühl genagt hatten.

"Dann machst du dir Gedanken darüber, was er denken könnte. Ich hatte dann manchmal im Training auch das Gefühl, dass er nur auf mich schaut. Aber es war vermutlich gar nicht mal der Fall", sagt Schürrle.

Für den heute 29-Jährigen hatte es sich damals angefühlt, als würde dich "jemand beobachten und denken, du bist scheiße". Inzwischen hat Schürrle seine Karriere nach den auf Chelsea folgenden Stationen VfL Wolfsburg, Borussia Dortmund, FC Fulham und zuletzt Spartak Moskau für beendet erklärt.