Deutliche Worte :Per Mertesacker packt aus, wie krass der Druck als Profi-Fußballer sein kann

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Foto: Mitch Gunn / Shutterstock.com
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Und die Zeit ist mehr als reif, wie der Arsenal-Star mit deutlichen Worten zu verstehen gibt.

Sein Körper sei "einfach durch", gab der 104-malige Nationalspieler im SPIEGEL zu.

Nach so vielen Jahren im Geschäft habe er einfach "keinen Bock" mehr und sitze im Emirates Stadium auch "am liebsten auf der Bank, noch lieber auf der Tribüne".

Per Mertesacker spielte in der Bundesliga auf höchstem Niveau, dann in der Premier League und über Jahre auch in der Nationalmannschaft, mit der er 2014 Weltmeister in Brasilien wurde.

Doch die Erwartungshaltung habe ihm geschadet, gestand er. Vor dem Spiel sei es am schlimmsten gewesen. "Als sei das, was dann kommt, symbolisch gesprochen, einfach nur zum Kotzen".

Hintergrund


In den Sekunden vor dem Anpfiff drehe sich ihm "der Magen um, als müsse ich mich übergeben. Ich muss dann einmal so heftig würgen, bis mir die Augen tränen."

Besonders groß war der Druck auf den damals 21-Jährigen bei der Heim-WM 2006. Das Aus gegen Italien war dann eine Erlösung.

Zwar spielte auch Enttäuschung nach der knappen Niederlage im Halbfinale eine Rolle, "aber vor allem war ich erleichtert. Ich weiß es noch, als wäre es heute. Ich dachte nur: Es ist vorbei, es ist vorbei. Endlich ist es vorbei."

Egal, wie viel Geld man verdient oder welche Privilegien man bekommt, "irgendwann realisierst du, dass alles eine Belastung ist, körperlich und mental. Dass es null mehr um Spaß geht, sondern dass du abliefern musst, ohne Wenn und Aber. Selbst wenn du verletzt bist."

Dabei seien die Verletzungen gar keine großen Dramen, wie es immer wieder dargestellt wird. Ganz im Gegenteil, wie Mertesacker klarmachte:

"Es ist der einzige Weg, eine legitimierte Auszeit zu bekommen, mal raus zu sein aus der Mühle. Wenn ich nicht mehr konnte, war ich verletzt, so war es immer."

Er behaupte sogar, "dass viele wiederkehrende Verletzungen psychisch bedingt sind. Dass der Körper der Seele damit zu Ruhe verhilft. Aber das hinterfragt niemand."

Nach seinem Karriereende im Sommer werde er dann "mit über 30 zum ersten Mal in meinem Leben frei sein". Anschließend wolle er als Leiter der Arsenal-Nachwuchsakademie "das System angreifen":

Die Talente dürften nicht alles auf die Fußballkarte setzen, die Schule vernachlässigen. Er will seine Erfahrungen weitergeben - nicht nur die schlechten.

Doch auch nach den vielen Jahren und Problemen im Geschäft als Profi-Fußballer bereut Per Mertesacker den Schritt nicht.

"Selbst wenn ich vor jedem Spiel erbrechen und 20-mal in die Reha müsste, ich würde es immer wieder machen."