Sechs Vorstände treten zurück :"Ernste Sache": Bartomeu sorgt für Barça-Beben - und Neuwahlen?

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Foto: Christian Bertrand / Shutterstock.com
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Innerhalb der Führungsetage des FC Barcelona ist reichlich Konfliktpotenzial vorhanden.

Nach SPORT-Angaben hat Vereinspräsident Josep Maria Bartomeu am Dienstag Emili Rousaud und Enrique Tombas telefonisch davon unterrichtet, die geplante Vorstandssitzung abzusagen.

Überdies soll Bartomeu die beiden Vizepräsidenten dazu aufgefordert haben, ihre Ämter niederzulegen.

Die Vorstandsmitglieder Silvio Elias und Josep Pont habe Bartomeu dem Bericht zufolge am Mittwoch erreicht und sie ebenfalls zum Rücktritt aufgefordert.

Im Bericht heißt es weiter: "Unabhängig davon, ob sie gehen oder nicht, werden Rousaud und Tombas aus ihrer Rolle als Vizepräsidenten entfernt und erhalten eher irrelevante Titel und Aufgaben."

Das Gespräch zwischen Bartomeu und Rousaud sei "sehr angespannt" verlaufen, da Letztgenannter den Präsidenten darauf angesprochen haben soll, warum er zu dem Entschluss gekommen sei, ihn und Tombas herabzustufen.

Rousaud hatte bereits auf die Gerüchte reagiert und betonte, im Moment nicht vorzuhaben, zurückzutreten. Außerdem erklärte er, dass ihm der Vorstand das Vertrauen ausgesprochen habe, als Präsidentschaftskandidat anzutreten.

Bei CADENA SER erklärte Rousard: "Bartomeu sagte mir, dass er den Vorstand umbauen wolle, weil er Bedenken gegen einige der Vorstände habe, auch unter anderem gegen mich. Er sagte mir, dass es undichte Stellen gebe, die die Spieler stören, und dass ich die Arbeit der Führungskräfte in Frage stelle."

Dass Bartomeu ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen durchgreift, kommt nicht überraschend. In den vergangenen Monaten gab es im Binnenverhältnis der Katalanen einige Skandale.

Unter anderem soll es eine aus der Vorstandsetage beauftragte Social-Media-Kampagne gegen Präsidentschaftskandidat Victor Font gegeben haben.

Unvergessen auch der verbale Angriff von Mannschaftskapitän Lionel Messi auf Sportdirektor Eric Abidal wegen dessen Äußerungen über den Trainerwechsel. Der Franzose hatte behauptet, einige Spieler hätten unter Ernesto Valverde nicht genügend gearbeitet.

Zudem gab es offenbar aus Vorstandsebene lancierte Berichte über mangelnde Bereitschaft zum Gehaltsverzicht der ersten Mannschaft im Zuge der Corona-Krise. Kapitän Lionel Messi und Luis Suarez beschwerten sich über eine falsche Berichterstattung.

Einer der bereits im vergangenen Jahr gehen musste, ist Jordi Mestre. Der Ex-Vize-Präsident erklärt nun gegenüber SPORT: "Es ist ein zerstrittener Vorstand. Ich habe es schon einmal gesehen und deshalb bin ich gegangen."

"Wir haben nicht alle an einem Strang gezogen. Das war klar. Jetzt ist es explodiert und es überrascht mich überhaupt nicht. Ich habe verschiedene Parteien innerhalb des Vorstands erkannt. Und diese sind unvereinbar. Das ist eine ernste Sache."

Wie ernst es ist, zeigte sich wenig später. Maria Teixidor und Jordi Calsamiglia treten gemeinsam mit ihren vier auf der Bartomeu-Abschussliste stehenden Vorständen von ihren Positionen zurück. Statt 19 zählt der Vorstand nun nur noch 13 Köpfe.

"Wir möchten hiermit mitteilen, dass die unterzeichnenden Direktoren Präsident Bartomeu unsere Entscheidung mitgeteilt haben, unwiderruflich von unserer Position als Direktoren des FC Barcelona zurückzutreten", heißt es in einer Mitteilung, die von allen geschassten Vorständen unterzeichnet wurde.

Erwähnt wird das Social-Media-Gate, bei dem Stimmung gegen Präsidentschaftskandidat Victor Font und die Mannschaftskapitäne der Katalanen gemacht wurde: "Davon haben wir aus der Presse erfahren und waren bestürzt."

Die eigentlich für 2021 geplanten Präsidentschaftswahlen sollen vorgezogen werden, empfehlen die sechs Ex-Board-Mitglieder.

"Als letzten Dienst für unseren Verein empfehlen wir, sobald die Umstände es erlauben, Neuwahlen abzuhalten, um den Verein mit aller 'Autorität' und auf die bestmögliche Weise angesichts der wichtigen Herausforderungen des Klubs zu leiten."