Braucht Barça eine neue DNA? Jordi Cruyff nennt Guardiola als Vorbild

21.12.2022 um 16:59 Uhr
von Tobias Krentscher
LaLiga-Redakteur
Schreibt seit 2010 über den spanischen Fußball. Gründer und Chefredakteur von Fussballeuropa.com.
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Der FC Barcelona muss laut Manager Jordi Cruyff direkter spielen - Foto: / Getty Images

Pep Guardiola (51) startete mit dem FC Barcelona einst eine Fußball-Revolution. Mit Tiki-Taka und Leo Messi als falscher Neun eroberten die Katalanen zweimal den Champions-League-Titel, gewannen in vier Jahren 14 Titel.

2015, beim letzten Champions-League-Titel der Blaugrana, war Barça unter Luis Enrique taktisch flexibler unterwegs, suchte häufiger den direkten Weg zum Tor. Enrique-Erbe Ernesto Valverde entfernte sich noch weiter von Guardiolas Ideen.

Viele Fans kritisierten den pragmatischen Ansatz Valverdes und freuten sich, als Guardiola-Fan Quique Setien im Januar 2020 an Bord geholt wurde. Doch das Setien-Experiment scheiterte krachend, nach dem 2:8 in der Champions League gegen Bayern München wurde der Ex-Betis-Coach entlassen.

Die Spielweise von Setiens Erbe Ronald Koeman führte im Camp Nou selten für Begeisterung, abgesehen von individuellen Geniestreichen eines Lionel Messi gab es kaum Fußball-Leckerbissen zu sehen . Unter Koemans Nachfolger Xavi Hernandez (42) hielt wieder mehr Tiki-Taka Einzug.

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Xavi wurde Ende 2011 zum Trainer des FC Barcelona - Foto: Christian Bertrand / Shutterstock.com

Xavi lässt zwar direkter spielen als Guardiola zwischen 2008 und 2012. Sportdirektor Jordi Cruyff (48) sieht aber offenbar Bedarf zur Anpassung der Taktik. "Der Fußball hat sich verändert, und das nicht wegen der WM, sondern als allgemeiner Trend: Wer vor zehn Jahren den Kampf im Mittelfeld gewonnen hat, hat den Krieg gewonnen", erklärte Cruyff gegenüber Mundo Deportivo.

Heutzutage sei es nicht mehr entscheidend, wer das Mittelfeld dominiert. "Der Fußball ist schneller geworden. Nicht körperlicher, aber schneller. Und dass der erste Kontakt nicht mehr seitlich oder rückwärts erfolgt, sondern vertikal nach vorne", so der Sohn von Barça-Legende Johan Cruyff (†68).

Diesen Trend erkenne man vor allem in Duellen mit Vereinen aus der Premier League und der Bundesliga. "Sie schalten schnell um nach Ballgewinn und spielen schnall nach vorne." Barça müsse nicht seine DNA aufgeben, aber seine Spielweise anpassen, stellt der Sportdirektor klar.

Als Vorbild nennt Cruyff Pep Guardiola (51), der bei Manchester City einer Philosophie  folge, die der des FC Barcelona sehr ähnlich sei. "Aber er bringt neue Komponenten ein, da heutzutage ein höheres Spieltempo erfordert ist. Das eine schließt das andere nicht aus."

Verwendete Quellen: Mundo Deportivo