Hans-Joachim Watzke :Das war der Urknall für Borussia Dortmund

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Foto: Celso Pupo / Shutterstock.com

"Bis Ende 2003 wusste ich, dass es nicht gut aussah, aber komplette Einsicht hatte ich nicht", erinnert sich Watzke zehn Jahre später im "kicker": "Der Geschäftsführer der Kommanditgesellschaft auf Aktien (Dr. Gerd Niebaum, d. Red.) hatte als Präsident des eingetragenen Vereins beide Hüte auf."

So gab es fast keine Kommunikation zwischen den Gremien und selbst wenn, hatte Watzke das Nachsehen. "Die Gremien waren so zusammengesetzt, dass es eine mehr als 90-prozentige Zustimmung mit den handelnden Personen gab", erzählt der damals fast handlungsunfähige Schatzmeister Watzke.

Durch die Veröffentlichung der immensen Schulden konnte der Klub erst wirklich gerettet werden, denn so konnte sich niemand mehr hinter einem Schleier verstecken. "Dieser Tag war der Urknall dafür, dass man sich den finanziellen Schwierigkeiten der Borussia überhaupt zuwandte", beschreibt der Unternehmer die letzten Tage des Jahres 2003.

Im November 2004 trat Niebaum als Präsident des Vereins und einige Monate später auch als Geschäftsführer der KGaA zurück. Nachdem Watzke ein Jahr benötigte, um wirklich "alle Gefahren zu verifizieren", war die Wahl von Dr. Reinhard Rauball zum Wahl des Präsidenten ein erster "entscheidender Schritt" zur Rettung des Klubs.

Hintergrund


"Von diesem Moment an hatten wir wieder eine Perspektive, keine wirtschaftliche, aber eine Vertrauensperspektive", erklärt Watzke und ist sich sicher, dass ohne Rauball als Präsidenten auch "alles andere nicht funktioniert" hätte. "Er war derjenige, dem die Menschen vertrauten", beschreibt er seinen langjährigen Chef im Revier.

Aber nicht nur die Wahl neuer starker Männer hat zum heutigen Erfolg der Borussia beigetragen. Das Glück spielte natürlich auch eine Rolle. Die Restrukturierung des BVB war nur möglich, weil es noch keine weltweite Finanzkrise gab. Diese kam 2008 und wäre sie nur drei Jahre früher ausgebrochen, "würde es Borussia Dortmund heute nicht mehr geben".

Die Männer um Hans-Joachim Watzke und Reinhard Rauball haben die Borussia vor dem Absturz in die Kreisklasse und so vor der Bedeutungslosigkeit gerettet. Mit der Verpflichtung Jürgen Klopps als Cheftrainer leiteten sie zudem wieder eine sportlich erfolgreiche Ära ein.

Zwei Meisterschaften, ein Pokalsieg und das Finale der Champions League ereichten sie allein durch ein gesundes Wirtschaften und den fußballerischen Sachverstand der Verantwortlichen. Schulden gibt es seitdem und auch in Zukunft keine mehr im schwarz-gelben Revier.

"Solange ich hier Verantwortung trage, wird das unumstößlich sein", stellt Watzke klar, der auch als Fan der Borussia in den vergangenen Jahren einen "Lebenstraum" erlebte. "Von der Erinnerung an diese Zeit werde ich mein ganzes Leben noch zehren."

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