Borussia Dortmund :Macht der BVB illegal Werbung für Wettanbieter?


Der BVB sitzt auf der Anklagebank. Grund ist eine Werbepartnerschaft, die der Bundesligaclub mit einem Wettanbieter pflegt. Die Bezirksregierung Düsseldorf prüft jetzt, ob das überhaupt erlaubt ist. Die gesamte Fußball-Branche hält den Atem an, denn das Urteil dürfte weitreichende Folgen für sämtliche deutschen Proficlubs haben.

  • Fussballeuropa RedaktionDienstag, 04.06.2019
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Sportwettenanbieter sind im Profifußball allgegenwärtig. Nahezu alle Proficlubs haben entsprechende Werbeverträge mit einem dieser Anbieter. Das könnte sich unter Umständen bald ändern. Denn die Bezirksregierung Düsseldorf hat ein Verfahren eröffnet, bei dem untersucht wird, ob Werbung für diese Anbieter überhaupt erlaubt ist. Konkret geht es dabei um Borussia Dortmund, das mit dem Anbieter bwin einen Werbevertrag hat und sowohl auf der Homepage als auch im Stadion für bwin wirbt.

Sportwetten sind in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Damit einhergehend ist auch Werbung für Sportwetten hierzulande nicht verboten. Doch darum geht es auch gar nicht. Denn die meisten Anbieter haben neben einem Sportwetten-Angebot auch Onlinecasinos im Programm und bieten dort unter anderem Poker, Blackjack und Roulette an. Und genau das — vituelles Glücksspiel — ist in Deutschland illegal. Werbung für Onlinecasinos sind entsprechend ebenfalls verboten. Und genau das ist der Grund dafür, dass die Bezirksregierung jetzt die Ermittlungen aufgenommen hat.

Doch so einfach, wie es klingt, ist es letztlich doch nicht. Denn die Gesetzeslage und vor allem die Handhabe sind in Deutschland nicht transparent, sondern sehr unklar. Die Bundesregierung möchte ihre Bürgerinnen und Bürger vor Spielsucht bewahren. Deshalb sind Onlinecasinos eigentlich auch verboten. Doch auf der anderen Seite streicht der deutsche Fiskus jährlich Milliarden an Steuern von ebendiesen Onlinecasinos an und duldet sie damit stillschweigend.

Damit aber nicht genug, bwin ist sich keinerlei Schuld bewusst, denn: Der Sportwetten- und Casinoanbieter beruft sich auf seine EU-Lizenz aus Gibraltar, die es ihm eigentlich erlaubt, in ganz Europa Sportwetten und Onlinecasinospiele anzubieten, also auch in Deutschland. Das Kuriose: Laut europäischem Recht sind Onlinecasinos nämlich vollkommen legal.

Und: Europäisches Recht gilt vor nationalem Recht. Das wiederum könnte bedeuten, dass Onlinecasinos vielleicht doch gar nicht verboten sind in Deutschland. Der Wettanbieter bwin vertritt genau diese Ansicht. bwin ist überzeugt, dass das in Deutschland geltende Recht dem europäischem Recht widerspricht, weshalb der Wettanbieter dem Urteil recht gelassen entgegenblickt.

Die Experten des Casino-Vergleichsportals casino24.org vertreten dieselbe Meinung wie der Wettanbieter bwin: "Eigentlich gibt es daran gar nichts zu rütteln. Onlinecasinos sind nach europäischem Recht erlaubt. Und dieses Recht steht über dem deutschen." Das Portal hat auf seiner Seite eine Liste mit seriösen, rechtskonformen und vertrauenswürdigen Anbietern veröffentlicht.

Die Experten finden diese Debatte ohnehin mehr als absurd: "Dass sich das Werbeverbot in Deutschland nur auf Online-Casinos bezieht, nicht aber auf Sportwetten, ist scheinheilig. Sogar der DFB hat einen Werbevertrag mit bwin und kassiert dafür 50 Millionen Euro. Die einzig sinnvolle Lösung wäre eine generelle Aufhebung des Werbeverbots."

Allerdings: In einem ersten Urteil hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig dieser Ansicht widersprochen. Ein Sprecher von Borussia Dortmund hat sich dazu in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung ebenfalls geäußert. Man werbe „ausschließlich für die Onlineseite von bwin“, nicht aber für Onlinecasinos, heißt es da. Man könne nichts Illegales daran erkennen.

Der gesamte deutsche Profifußball blickt mit Spannung auf das bevorstehende Urteil, denn nahezu jeder Bundesliga- und Zweitligaverein hat einen Werbedeal mit einem solchen Anbieter. In der Dritten Liga haben sogar alle 20 Vereine einen Werbedeal mit bwin. Darüber hinaus pflegt bwin eine Partnerschaft mit dem Deutschen Fußball-Bund sowie mit der Nationalelf und einigen europäischen Top-Clubs wie Atletico Madrid und Inter Mailand.

Das Urteil dürfte Signalcharakter haben — im Falle einer Entscheidung gegen den BVB könnte es noch weitere Anklagen nach sich ziehen und zu einem kleinen Beben im deutschen Profifußball sorgen. Die Clubs bekommen Millionen von den Anbietern. Einen genauen Termin für den Abschluss des Verfahrens gibt es allerdings noch nicht.

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