Darmstadt 98

"Nicht der Worst Case": Magath in der Relegation gegen HSV

sid/aa3f6c06fd4573dc4aedc2715c16f09683a30e4a
Foto: FIRO/FIRO/SID/

Felix Magath hatte sich das falsche Spiel ausgesucht. Während der Trainer von Hertha BSC Darmstadt 98 am Sonntag als potenziellen Relegationsgegner in Augenschein nahm, verteidigte der Hamburger SV 700 Kilometer nördlich den dritten Platz in der 2. Bundesliga erfolgreich und ist der brisante Gegner in den Play-offs um Abstieg oder Klassenerhalt.

Somit kommt es zum Prestigekampf in der Relegation (19. und 23. Mai) zwischen den Berlinern und Magaths Ex-Klub. Diesen hatte der Ex-Nationalspieler 1983 mit seinem fulminanten Schuss zum Europapokaltriumph im Landesmeister-Wettbewerb gegen Juventus Turin (1:0) in Athen geschossen. 

Darmstadt 98

Schon zuletzt hatte Magath, der ab Dienstag ein Trainingslager für seine Profis abhält, bei Bild betont: "Ich habe den HSV in dieser Saison oftmals spielen sehen, da kann uns nichts überraschen." So schickte er seinen Assistenten Mark Fotheringham in die Hansestadt Rostock, um den letzten HSV-Auftritt in der 2. Liga in dieser Saison zu analysieren.

Die dramatischen Ereignisse der Hertha beim 1:2 (1:0) bei Borussia Dortmund, als in der Schlussphase noch der direkte Klassenerhalt auch aufgrund des Stuttgarter 2:1-Erfolgs gegen Köln verspielt wurde, waren gerade einmal 24 Stunden Geschichte. 

Magath hatte die Psychologie des Abstiegskampfes unmittelbar nach dem Abpfiff einfach umgedreht. "Das ist nicht der Worst Case", sagte der Ex-Meister-Coach nach dem Absturz in die Relegation beschwörend, das habe er seiner Mannschaft in der Kabine umgehend eingeschärft: "Jetzt haben wir die Chance, zweimal zu zeigen, dass wir ein Erstligist sind!" 

Spieler und Fans weinten, der dritte vergebene Matchball zum Klassenerhalt war ein Schock. Da war es an Magath, dem Magier, dem alten Schlachtross und Meistertrainer, alle aufzurütteln: Das war es noch nicht! "Wir haben ja von Platz 17 aus den direkten Abstieg vermeiden können", sagte der 68-Jährige, der schon so viele Vereine vor der 2. Liga gerettet hat. "Ich sehe uns gut gewappnet."

Doch wer sollte das nach dem Abpfiff glauben? Totenstill wurde es im blau-weißen Gästeblock, als die Kunde vom späten Tor des VfB Stuttgart hinüberschwappte. Diese Saison des Chaos, der Zwietracht, der Machtkämpfe, die gegen Ende im Hoffnungsschimmer glänzte: Sollte sie im Albtraum enden?

"Die Jungs sind total fertig und aufgearbeitet", berichtete Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic, der selbst vor der Bus-Abfahrt wie in Trance über den Platz geschlichen war. "Sie müssen jetzt den Glauben haben, es in diesen zwei Spielen zu reißen." Aber das Schütteln fällt schwer. Sie waren doch fast gerettet! An diesem Samstag, vor Wochen schon. 

Diese Mannschaft, vermeintlich deutlich zu gut besetzt für das Tabellenende, am Boden zerstört, müsse sich nun unbedingt "aufbauen für Donnerstag", forderte Bobic - dann empfangen die Berliner im Olympiastadion den Tabellendritten der 2. Liga zum Hinspiel. 

"Ich weiß nicht, was ich denken oder hoffen soll", sagte Magath. Im Rückspiel am 23. Mai (beide 20.30 Uhr, Sky und Sat.1) geht es um alles. Wie zuletzt 2012 gegen Fortuna Düsseldorf. Auch keine schöne Erinnerung.

"Ich kann mich jetzt aufregen oder das einfach abhaken", sagte Magath, "zu Letzterem neige ich." Seine Mannschaft habe dem (allerdings 45 Minuten lang am Spiel grundlegend uninteressierten) Vize-Meister auswärts schließlich "Paroli geboten".

Angesichts dessen, so seine Hoffnung, werde es wohl auch gegen einen Zweitligisten reichen. Doch das Phänomen der Zitterknie am Rande der Klippe war in dieser Rechnung kein Faktor.