Großer Umbau :Mino Raiola will das Transfersystem revolutionieren

mino raiola 2019 07 01
Foto: Antonio Balasco / Shutterstock.com

Mino Raiola packt über seine Arbeit aus. "Es ist der 1. Januar, das Theater öffnet, der Vorhang geht hoch und die Vorstellung kann beginnen. Aber hinter den Kulissen sind die Hauptdarsteller schon ein halbes Jahr mit den Proben beschäftigt. So ist das bei uns auch", erklärte der Italiener dem SPORT/VOETBALLMAGAZINE.

Als jüngstes Beispiel brachte er den Wechsel von Erling Haaland an. Ein Jahr lang habe er sich Angebote angehört, damit sich der junge Norweger entscheiden könne. Letztlich fiel die Wahl auf Borussia Dortmund.

Raiola betonte, dass er in den zurückliegenden 25 Jahren die Show perfektioniert habe. "Ich will nicht arrogant wirken, aber ich denke, dass ich diesen Markt erschaffen habe. Es ist inzwischen eine gigantische Industrie, der ich Farbe gegeben habe, indem ich nie meinen Mund gehalten und mich immer für meine Spieler eingesetzt habe", so der Berater von Paul Pogba und Co.

Dass er vor allem auch an dem Franzosen gut verdient habe, bestreitet er nicht. Aber: "Ich habe bei Manchester United niemanden mit der Pistole bedroht, damit sie Paul Pogba zurückholen."

Hintergrund


Die Red Devils haben 105 Millionen Euro für den Mittelfeldspieler gezahlt, Raiola hat mit dem Deal angeblich 49 Millionen Euro verdient.

Schuld an dem Gerede sei die FIFA, weil sie "auf die Datenschutzgesetze geschissen" habe.

"Es ist sehr merkwürdig, dass es immer um mein Gehalt geht, man von der FIFA aber nichts hört, wenn Ajax 150 Millionen Euro für zwei Jungs bekommt (gemeint sind Matthijs de Ligt und Frenkie de Jong)", schimpfte der Vermittler. "Dann ist das toll und Ajax hat es gut gemacht."

Der Weltverband ist aktuell auch das Lieblingsthema Raiolas. In den zurückliegenden Jahren habe er immer wieder versucht, den "korrupten Monopolisten" FIFA und seine "inkompetenten Führungskräfte" zu bekämpfen.

Das hatte "wenig Erfolg". Daher will der Italiener nun "ein neues System aufsetzen, so dass man auf jeden Fall eine Wahl hat. Da sind wir jetzt damit beschäftigt. Die FIFA ist die FIFA, viel Erfolg damit. Wir wollen damit bald nichts mehr zu tun haben."

Stattdessen wollen Raiola und seine Verbündete alles selbst machen. "Die FIFA ist vorbei, das alte System ist vorbei. Dies ist der Beginn einer neuen Ära, wir sind an der Basis. Es ist Zeit für eine Revolution."

Dazu hat er bereits mit anderen Granden der Szene das Football Agents Forum (FAF) gegründet, dessen Präsident Raiola ist. Auch Jorge Mendes (Gestifute), Jonathan Barnett (Stellar Football Ltd) und Roger Wittmann (ROGON) sind mit von der Partie.

"Ich verstehe zum Beispiel nicht", so Raola, "warum ein Transfer von einem Spieler vom FC Twente nach Verona über die FIFA laufen muss. Können wir das in Europa nicht selbst? Wenn ein Spieler in die MLS wechselt, dann nach den Regeln der MLS, nicht der FIFA."

Es gehe dem Weltverband nur um das Geld. "Bei der FIFA dreht sich alles um Macht und Geld. Nicht um die Belange des Fußballs.", schimpfte der Berater.

"Wenn es nach mir geht, schaffen wir das heutige Transfersystem sofort ab. Wir bekommen einen Anteil davon, was Spieler verdienen und wenn wir das System abschaffen, haben die Vereine mehr Geld für die Spieler, denke ich. Dieses Transfersystem ist Menschenhandel."

Angst vor Konsequenzen habe er zudem nicht. "Ich streite mit Real Madrid, wenn es nötig ist. Ich habe Florentino Pérez schon mal gesagt, dass er Spieler benutzt wie Handschuhe. Wenn sie ihm nicht gefallen, nimmt er ein anderes Paar. Das hat er nicht gemocht, aber ich habe es ihm trotzdem gesagt", verriet Raiola.

"Ich versuche etwas zu bewirken, wo ich kann. Für mich steht das Verändern der Fußballwelt jetzt auf dem ersten Platz."

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