Nach Pleite gegen Mexiko :Mats Hummels spricht Klartext und greift Mitspieler an

mats hummels dfb 10
Foto: Tomasz Bidermann / Shutterstock.com

81 Fehlpässe, nur 44 Prozent gewonnener Zweikämpfe und ein Gesamtauftreten, das Sorgen macht.

So unterlag die deutsche Nationalmannschaft 0:1 gegen Mexiko. Nach dem Spiel fand Mats Hummels ziemlich deutliche Worte an seine Teamkollegen.

"Es ist ziemlich einfach heute", begann der Innenverteidiger im ZDF sein hartes Fazit. "Wir haben wie gegen Saudi-Arabien gespielt - nur gegen einen besseren Gegner. Wir haben ein paar Dinge angesprochen, wie leichte Ballverluste und Absicherung, die wir heute leider wieder nicht umgesetzt haben. Dadurch sah die erste Halbzeit aus, wie sie aussah."

Letztlich habe Mexiko aber auch "verdient gewonnen", weil die DFB-Elf es ihnen "viel zu leicht gemacht hat".

Hintergrund


Genau das hätte man aber nicht zulassen dürfen, betonte Mats Hummels und ergänzte: "Wenn sieben oder acht Spieler offensiv spielen, dann ist klar, dass die offensive Wucht größer ist als die defensive Stabilität. Das ist das, was ich intern oft anspreche. Das fruchtet anscheinend noch nicht so ganz. Unsere Absicherung steht nicht gut, das muss man sagen - oft waren nur Jerome und ich hinten. So haben sie uns heute gnadenlos ausgekontert."

Noch vor einem Jahr beim Confed Cup standen die Mexikaner nach der 1:4-Halbfinalpleite als Verlierer auf dem Platz, dieses Mal war es andersherum.

Während Chicharito & Co. trotz Skandale vor dem Turnier eine mannschaftliche Geschlossenheit an den Tag legten, war diese dem Weltmeister abhandengekommen.

Die Elf von Juan Carlos Osorio hätte auch problemlos zwei oder mehr Tore gegen Manuel Neuer schießen können, zu oft ließ man die Stürmer gewähren.

Ein Weckruf, der zu spät kommt, wie Hummels schnell anmerkte. "Wir müssen jetzt zwei Spiele gewinnen, sonst war es das mit der WM", legte der Bayern-Star den Finger in die Wunde:

"Wir hatten gegen Saudi-Arabien eigentlich den Weckruf. Ich verstehe nicht so ganz, warum wir es heute so gespielt haben, weil wir eigentlich schon einen Schuss vor den Bug bekommen hatten."

Hummels Innenverteidiger-Partner Jerome Boateng sprach einfach nur vom "schlimmstmöglichen Start ins Turnier".

Neben den überraschenden defensiven Lücken kamen auch noch offensive Schwächen hinzu. Sami Khedira wurde kaum gedeckt, konnte aber keine Akzente setzen, leitete mit seinem Ballverlust sogar das Gegentor ein und wurde für Marco Reus ausgewechselt.

Mit dem Dortmunder und später Julian Brandt im Spiel wurde es offensiv deutlich gefährlicher, doch die Joker kamen zu spät.

Zudem stellten die Mittelamerikaner Taktgeber Toni Kroos so zu, dass der viermalige Champions-League-Sieger kaum etwas bewegen konnte.

"Egal, wo Toni hinging, es stand immer einer bei ihm und deswegen konnten wir uns von hinten raus nicht so gut im Spiel nach vorne entfalten", resümierte Bundestrainer Joachim Löw.

Und Kroos ergänzte: "Ich glaube, dass wir in der ersten Halbzeit keine Lösungen gefunden haben. Mexiko hat Räume clever zugestellt, andere bewusst freigelassen. Das haben wir in der zweiten Halbzeit besser gemacht, Mexiko ist auch müde geworden. Die Möglichkeiten hatten wir mindestens für ein Tor."

Für den Mittelfeldmann ist nun klar: Abstellen der Konteranfälligkeit und sicherstellen, dass die Bälle vorn nicht so einfach verloren werden. Denn der Weltmeister sei "ohne Frage unter Druck".